Erstmal einen MOOCha, dann lern’ ich was…

Die gegenwärtige Praxis der MOOCs, die ich mir angesehen habe, ist unter didaktischen Gesichtspunkten nicht sehr berauschend: Coursera-Style Kurse (Coursera ist ein Platzhirsch, mit vielen Universitäten als Partner) basierend auf einer statischen Seite, die wie ein Wiki aufgebaut ist, nur dass die Teilnehmer keine Bearbeitungsrechte haben…das ist also keineswegs Web 2.0.

Emergenz  gibt es von Seiten der Studierenden nur an zwei Stellen: in den Diskussionsforen und beim Erstellen der “Assignments”, also der Essays oder Klausuraufgaben, die echt in regelmäßigen Abständen gibt.

Eine begrenzte Immersion habe ich beim Wettbewerber Udacity gesehen (wo meine Tochter und ich einen Physik-Einführungskurs belegt hatten)*:  hier werden kleine Test-Quizzes unmittelbar nach Ansehen eines Video angeboten – der Video geht sozusagen direkt in das Quiz über. Das wird sehr angenehm nahtlos und macht Laune, weil man nicht zwischen den beiden Plattformen (Video und Quiz) in und her wechseln muss. Außerdem hat es immer(finde ich) einen abschreckenden Effekt, wenn man ein Quiz extra aufmachen muss: damit meldet man sich ja sozusagen zur Prüfung an!

Diese Kurse machen vom Peer-Review-Prinzip Gebrauch, d.h. die Teilnehmer bewerten einander und kommentieren einander und auch sich selbst – das Ergebnis wird dann irgendwie gemittelt.

Bei einem Kursus, auf den ich mich hier beziehe (“Learning To Teach Online“), weil ich ihn nämlich gerade absolviere, gibt es nach jedem einzelnen Modul noch Aktivitäten: das ist eine Mischung aus reflektierender Schreibübung und Umfrage – die Umfrage wird dann benutzt, um personalisierte Empfehlungen zusammenzustellen, die aber nur aus weiterführenden Artikeln bestehen. Also ein Ansatz, um Bedarf zu unterscheiden als Antwort auf Interessenbekundung.

Ein Kursus, der häufiger erwähnt wird, ist “Understanding Einstein” (wer möchte das nicht? :-), und zwar, weil er verschiedene so genannte “Tracks” anbietet, und zwar für Studierende, die vorwiegend quantitativ, oder qualitativ, oder rein rezeptiv arbeiten möchten.

Aber abgesehen von diesen Beispielen ist die Personalisierung oder die Abstimmung auf die studentischen Bedarfe sehr begrenzt. Gruppenbildung ist, wenn sie überhaupt geschieht, nur über die Foren informell und zufällig.

Ich fange noch einen weiteren Kursus an, zum Thema Forschungsmethoden, von der Universität von Amsterdam, aber ebenfalls auf der Plattform Coursera angeboten.

*) soll es laut der Aussage eines Studenten auch bei Coursera geben.


[Dieser Artikel wurde zuerst im LdLMOOC-Portal gepostet, wo ein Hangout zum Thema “LdL in der Online Lehre” am 3.11. vorbereitet wird.]

3 thoughts on “Erstmal einen MOOCha, dann lern’ ich was…”

  1. Hallo Herr Birkenkrahe,
    würde mich über einen Austausch zu Mooc freuen.
    Gerne lade ich Sie auch zu einem der beiden Moocs ein, die ich gerade konzipiere.
    Dort soll es einen hohen Grad an Immersion geben, wie im ersten Mooc, den ich als didaktische Beraterin für die giz entwickelt habe: mooc.eld-initiative.org
    Beste Grüße
    Claudia Musekamp

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