Flipped Classroom und Lernen durch Lehren (LdL)?

[Versuch einer Antwort auf eine Frage von @jeanpol auf G+ im Rahmen des 1. #LdLMOOC]

“Flipped Classroom” ist beliebt. Ich habe im letzten Vierteljahr fünf (!) Workshops zum Thema Online Lehre und Online lernen gehalten: bei diesen Workshops ist das Thema „invertiertes Klassenzimmer“ (oder: Seminar, Vorlesung, Übungsveranstaltung usw.) eigentlich regelmäßig der Renner – und wird von mir immer als Aufhänger und Eingangsmethode zum LdL verwendet (Beispiel, siehe Bild, von einem Workshop an der Uni Potsdam am 8. Oktober 2014). 2013 habe ich hierzu schon einmal einen Intercampus Workshop abgehalten und in Wikiversity dokumentiert.

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Eigentlich steht alles auf der Flip-Chart — als Bild und als Zusammenfassung des schönen Lehrfilms von Prof Spannagel. viele zusätzliche Ressourcen gibt es hier im ZUM-Wiki. Den Flipped Classroom kann man als Vorstufe zum “Lernen durch Lehren” (nach Jean-Pol Martin) verstehen: Info.

Bei den auf Deutsch stattfindenden Workshops benutze ich meistens den Lehrfilm, in dem Christian Spannnagel eine ganze Mathevorlesung abgefilmt und kommentiert hat. Sehr empfehlenswert, auch die Methode des Lehrfilms selbst, bei dem Christian zwischen der Totale (Aufnahme der Klasse) und Interview hin und her wechselt: sehr effektiv, sehr konzentriert.

Bei den auf Englisch stattfindenden benutze ich einen Video aus Australien (gesehen beim “Learning To Teach Online” MOOC), bei dem ein Dozent der Ingenieurwissenschaften ohne jegliches Wissen von LdL (jedenfalls erwähnt er nichts dergleichen) Inhalte online ausgelagert hat, damit er im Unterricht etwas anderes machen kann, als instruieren und Vorlesung halten.

Der Zugang von Spannagel scheint mir als Einübung der auch in einer LdL Veranstaltung wirksamen Dynamik nützlich. LdL im strengen Sinne ist es wohl (noch) nicht. Aspekte, die beim invertierten Klassenzimmer ebenso wichtig sind, wie bei LdL, sind: gute Vorbereitung und ein klarer Rahmen, Loslassen von Seiten des Lehrers, Aussetzen des Kontrollbedürfnisses, Abgabe der Verantwortung für eine klar definierte Sitzung an die Studierenden – Einübung des Rollenkonzepts. Und sicherlich noch einiges mehr!

Der Vergleich zu dem Australier ist ebenfalls nützlich: obwohl hier keine sichtbare didaktisch-theoretische Grundlage existiert, schafft der Dozent durch die Auslagerung von Inhalten und Inhaltsvermittlung in den online Raum doch Freiräume in der Präsenzlehre – wenn er die jetzt füllt, dann liegt eine teilweise Übernahme des Unterrichts durch Studierende jedenfalls näher.

Rollenkonzept. Und online? Flipped Classroom geht tatsächlich nur in einer Präsenzveranstaltung – online hat man automatisch eine invertierte Situation, weil der Lehrende nicht sichtbar ist oder sein muss und weil es einfacher ist, Rollen zu verteilen und zu behaupten. Wenn ich beispielsweise (wie im Präsenz-FC üblich) eine Studierende zur Moderatorin, die andere Studierende zur Schreiberin ernenne, und dann online den Mund halte, dann fehlt es diesen ermächtigten Studierenden leichter, den Kursus zu übernehmen, als wenn ich noch im Raum bin. (Dieser letzte Absatz kopiert aus dem folgenden Blogartikel: “LdL Stoffsammlung“.)

Siehe auch: “Workshop Aktives Plenum” von Oliver Tacke (2012).

[Vorabversion in: GDocs, G+]

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