Was soll LdL für MOOCs?

Dieser Austausch begann auf Angelika Mogks Blog (“Bildungsmäuschen“), das ich mit großem Gewinn seit einigen Wochen lese – sie bloggt dort parallel zu ihrer eigenen Bildungsreise, die sie quer durch die MOOC-Landschaft führt: für mich Gold wert. Ihre Darlegungen sind detailliert, reflektiert und äußerst lesbar – aus dieser Artikelsammlung könnte man, wie mir scheint, eine spannende qualitative wissenschaftliche Untersuchung machen. Vielleicht hat sie das ja auch schon vor!

In Ihrem Kommentar antwortet sie auf meine Einladung zum LdLMOOC-Hangout #4 am 3.11.14 — “Lernen durch Lehren in der Online-Lehre” (siehe Programm), den ich gemeinsam mit Sabine Siemsen (unter freundlicher, kompetenter Anleitung von Peter Ringeisen) gestalten werde.

Angelika Mogk:

»Ich finde es sehr schwierig mir vorzustellen wie Lernende in einem xMOOC gezielt dazu bewegt werden können als Lehrer aufzutreten.
Es gibt Leute, die in Foren die Aufgabe übernehmen Fragen zu beantworten. Dahinter können unterschiedliche Motive stecken, auch das Motiv dass durch die “Belehrung” Zusammenhänge auch für einen selbst klarer werden. Sehr ausgeprägt fand ich das bei einem Spieleprogrammierkurs, der sehr streng auf das Einstellen von funktionierendem Code achtete. In der Wiederholung dieses Kurses waren dann einige von den aktivsten Postern als TAs, also teaching assistants rekrutiert worden.
Bei der FernUni habe ich aktive studentische Tutoren erlebt, die dann auch eine lehrende Funktion hatten.
Gut, beim LdL-MOOC2 wurden ehemalige Teilnehmerinnen vom LdL-MOOC1 zu Lehrenden. Aber das von Anfang an nur für die Teilnehmer in die Struktur einzubauen…
Es gab da in dem Spieleprogrammierkurs noch eine Rubrik Videos erstellen. Das war ein Wettbewerb der nebenher lief in bei dem es Preise für Lehrvideos zu den Themen des MOOCs gab. Das kommt für mich am ehesten da ran. Auch beim exif13 haben wir letztlich Lehrmaterial als Beitrag erstellt.
Dann kann ich mich an einen MOOC Sozialpsychologie erinnern, in dem die Teilnehmer Diskussionsrunden über Hangouts machen sollten, um anschließend darüber zu schreiben.
Ich brainstorme mal weiter.
Ich habe den Eindruck bei Aktivierungsbemühungen für MOOCs gibt es eben auch die Möglichkeit des Lehrens. Aber das verschwimmt mit anderen Formen. Auch Optionen zu her zu zeigen, gerade im künstlerischen Bereich, können viel Engagement und Aktivität fördern. Das wird dann ein Lehrern durch das Beispiel. So funktionieren auch die Peer Reviews, wenn sie denn angemessen genutzt werden. Selber umsetzen, um als Beispiel für andere zu dienen und gleichzeitig dafür Feedback bekommen.
Ich denke aber, kleinere cMOOCs sind besser für LdL geeignet als große xMOOCs. Die finde ich als sehr gut geeignet für Einführungen in Themengebiete, auch für Angebote die einen festen überschaubaren wöchentliche Zeitrahmen haben sollen. Sie eignen sich für verteilt sitzende Menschen, die in ihrem Umfeld keinen anderen Zugang zu speziellen Themen haben. Aber das muss nicht über LdL organisiert werden.
LdL finde ich sehr gut für Präsenzangebote. Flipped Classroom kann ich dagegen gar nicht beurteilen, da habe ich keinen Zugang zu. Außerdem muss sich ja auch nicht jede Methode für alles eignen.
Oder es müsste eine Onlineform für LdL entwickelt werden. So wie jetzt im LdLMOOC2, wo Einzelne etwas vorbereiten und dann gemeinsam einen Hangout gestalten…Aber geht das mit vielen Teilnehmern? Der LDLMOOC2 ist doch eigentlich sehr klein und überschaubar…Und was tun diejenigen, die schüchterner sind?
Ich lass das jetzt mal so stehen.«

Meine Antwort:

»Nach deinem Eingangs-Absatz machte ich mich schon bereit, meine eigene Liste an Ideen für LdL in xMOOCs zu verlinken (aus der #LdLMOOC2-Übung zur Stoffsammlung).
Aber dann beantwortest du deine Frage ja selbst: und bringst ganz viele eigene Beispiele: Rekrutierung von Teilnehmern; Rubrik/Lehrmaterial selber erstellen; Diskussionsrunden organisieren und durchführen! Dadurch, dass die natürliche Hierarchie und Ausrichtung der Lernenden auf den (außer beim invertierten Klassenzimmer vorne stehenden) Lehrenden völlig aufgehoben erscheint in der online Situation, halte ich LdL sogar für eher einsetzbar als in der Präsenzsituation. Es gibt natürlich zusätzliche Abhängigkeiten: beispielsweise von der vorhandenen Technologie – die muss verstanden und beherrscht werden. Das kann man im normalen Klassenzimmer oder Vorlesungsraum voraussetzen (obwohl: auch nicht immer ).
Du kontrastierst „kleinere cMOOCs” und „große xMOOCs”: für jede Art von programmierten Lernen (und dazu gehört auch LdL) scheint mir “c” schwerer als “x”. Dafür kann natürlich bei “c” potenziell viel mehr, und viel Unvorhergesehenes passieren! Ich unterscheide hier zwischen dem Programmieren des Rahmens und dem Nicht-programmieren der einzelnen Begegnung – beispielsweise kann ich für Studenten eine Stunde mit Materialien, Hinweisen, Coaching der Studentengruppe usw. als Rahmen vorbereiten und damit programmieren – während ich dann in der von diesen Studierenden unterrichteten Stunde selbst nur als Coach (also wie beim invertierten Klassenzimmer) anwesend bin. Das Setzen des Rahmens kann als Präsenz oder online stattfinden, und ebenso die Vermittlung durch die Studierenden an den Kursus.
Es ist, wie du am Ende sagst: Nicht jeder hat zu allen didaktischen Methoden Zugang. Das gilt für Lehrende und Lernende. Meine Erfahrung ist, dass die online Lehre den Studierenden im Prinzip und in der Praxis wesentlich mehr Freiheitsgrade gibt, obwohl gleichzeitig die Schwelle, um diese Freiheitsgrade zu nutzen, deutlich höher ist als in der Präsenzlehre. Ob das alles mit (sehr) vielen Teilnehmern funktioniert, weiß ich persönlich nicht – das muss ich nämlich erst (demnächst) ausprobieren.
Und zu deiner letzten Frage: „Was tun diejenigen, die schüchterner sind?“ Hier habe ich ganz klar die Erfahrung gemacht, dass online Lehre den Schüchternen ebenfalls mehr Raum bietet, den sie auch – jedenfalls in der Lehre die ich in den letzten Jahren gemacht habe – gerne und häufig nutzen. Natürlich nicht, wenn sie „flach gemacht“ und an die Wand gedrückt werden, wenn sie sich äußern… Aber das versteht sich von selbst. An der Selbstverantwortung des Lernenden ändert sich online natürlich nichts.«

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Man muss auch nicht immer alles machen, was möglich ist nur, weil es jetzt möglich ist.

Selbstredend fehlen bei dieser Antwort einige Stockwerke. Z.B. ist “Online” nicht gleich “Online”. Der Kursus, den ich gerade erstelle (“Research Methods for Androids“), ist beispielsweise schon komplizierter aufgebaut: er ist zwangsläufig ein xMOOC (= asynchrone, unsupervidierte Konserve plus peer review), weil er Master-Studenten als Auffrischung und Vorbereitung zu einer Präsenzveranstaltung dienen soll, die auch online stattfindet (nämlich in einer virtuellen Welt), aber halt in real-time, also synchron. Bild unten: erster und zweiter Kursteil aus meiner Präsentation zum Konzept.

xMOOCshot

1 thought on “Was soll LdL für MOOCs?”

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